Die Sternenseherin
- Juni 23, 2020
- by
- J. Monika Walther
So legt euch denn ihr Brüder, in Gottes Namen nieder; kalt ist der Abendhauch. Verschon uns Gott! mit Strafen, und lass uns ruhig schlafen! Und unsern kranken Nachbarn auch!
Marie hörte die Worte, aber sie sah niemanden. Da summte und sang eine Frau das Abendlied der Sternenseherin Lise. Oder war es Lise selbst, die irgendwo hinter...
Die Masken vergessen
- Juni 19, 2020
- by
- Manfred Lipp
Den Wolfersberg hinuntergehen. Zum Bus, der uns zur U-Bahn bringt. Zur U-Bahn, die uns am Karlsplatz entlädt, wo der Resselpark vom Regen frisch gewaschen ist und der Musikverein sich in seinem eigenen Glanz sonnt. Wo das Künstlerhaus steht, frisch renoviert, alte Pracht in neuem Gewand. Wo die Albertina Modern wartet.
Auf uns wartet mit ihren sechzigtausend...
Dorfstraße
- Juni 16, 2020
- by
- J. Monika Walther
Früher und später. Das ist vielen Menschen wichtig. Das Früher wird im Erzählen wie Seeglas immer geschliffener. Wie von einem Schmuckstück wird davon erzählt. Die eigene Glasscherbe, in der sich Geschichte spiegelt, ist vielen die Schönste.
Früher, nehmen wir die Fünfzigerjahre, gab es in dem Dorf: eine Post, eine Tankstelle, zwei Werkstätten, sieben Kneipen für Trinkschnaps,...
Zweifel
- Juni 12, 2020
- by
- Manfred Lipp
Es schien, als würde der Regen die Welt säubern wollen, so heftig fiel er. Und ließ sie doch schmutzig zurück. Schmutziger als er sie vorfand, womöglich. Im Innenhof hatte der Sturm eine Mülltonne umgeworfen und Regen und Wind wühlten nun in ihrem Inneren wie eine Horde Hyänen in einem toten Zebra. Nur dem Grau der...
Die Münze
- Juni 05, 2020
- by
- Manfred Lipp
‚Schau‘, sagte er und zeigte mir eine Münze. Ich war fünf und schauen so ziemlich das Beste, was ich konnte. Obwohl ich einigermaßen kurzsichtig war, was im Nachhinein vielleicht ein schiefes Licht wirft auf meine sonstigen Fähigkeiten. Aber wenn man fünf ist, was weiß man da schon über sich und die Welt? Ich griff nach...





